Notfälle und Erste Hilfe – Crash-Kurs

Notfälle sind im Alltag selten – aber wenn sie vorkommen ist es gut vorbereitet zu sein. Ein fundiertes Wissen über Notfallversorgung kann potenziell Leben retten. Dieser Artikel bietet eine praxisnahe Übersicht über die wichtigsten Notfallsituationen und deren Erstversorgung.


1. Grundlagen der Notfallversorgung

Jeder Notfall sollte optimalerweise systematisch angegangen werden. Das ABCDE-Schema ist der weltweit standardisierte Ansatz.

  • A – Airway (Atemwege): Atemwege freimachen und sichern; bei Bewusstlosen Kopf überstrecken und Unterkiefer anheben. Fremdkörper sofort entfernen.
  • B – Breathing (Atmung): Atemfrequenz prüfen, Sauerstoffgabe bei Hypoxie. Beobachten: Zyanose, erschwerte Atmung, Einziehungen.
  • C – Circulation (Kreislauf): Puls kontrollieren, Blutdruck messen (wenn möglich), starke Blutungen stoppen. Schockzeichen erkennen: Blässe, Tachykardie, kalter Schweiß, Schwäche.
  • D – Disability (Neurologischer Status): Bewusstseinsgrad nach Glasgow Coma Scale (GCS) beurteilen, Pupillenreaktion, grobe neurologische Ausfälle prüfen.
  • E – Exposure/Environment (Umgebungsschutz): Patienten vor Unterkühlung schützen, Umgebung sichern.

Merksätze:

  • ABCDE = grundlegendes Vorgehen in jedem Notfall
  • „Life over limb“ – Leben geht vor Gliedmaßen, also Priorisierung immer prüfen

2. Herz-Kreislauf-Notfälle

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

  • Erreger / Ursache: Ischämie durch Koronarverschluss
  • Symptome: Thoraxschmerz, Engegefühl/Brustenge (Angina pectoris), Luftnot, Übelkeit, kalter Schweiß, Angst
  • Erstmaßnahmen: Sofortiger Notruf (112), Halb- oder Sitzlagerung, Ruhe bewahren, keine körperliche Belastung, Sauerstoffgabe bei Hypoxie, ggf. Nitroglyzerin nur nach ärztlicher Verordnung.
  • Pathophysiologie: Unterversorgung des Herzmuskels → Nekrose, Rhythmusstörungen möglich

Herzrhythmusstörungen

  • Beispiele: Kammerflimmern, Vorhofflimmern, Bradykardie
  • Erstmaßnahmen: Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW), Defibrillation nach ALS-Protokoll (Automatisierter Externer Defibrillator – AED)

Schlaganfall

  • Symptome: Einseitige Lähmung, Sprachstörung, Sehstörung, Schwindel
  • Maßnahme: Notruf, Lagerung flach, Ruhe, Zeitkritisch: „Time is brain“
  • Merke: FAST-Schema (Face, Arm, Speech, Time)

3. Atemwegs- und allergische Notfälle

Anaphylaxie

  • Symptome: Nesselsucht, Schwellungen (Lippen, Zunge), Atemnot, Kreislaufzusammenbruch
  • Erstversorgung: Notruf 112, Adrenalin-Autoinjektor, Lagerung flach oder je nach Atemnot leicht aufrecht, Sauerstoffgabe, Vitalzeichenkontrolle
  • Wichtig: Sofortmaßnahmen, Dosierung Adrenalin, Monitoring

Asthma-Anfall

  • Symptome: Pfeifende Atmung, Dyspnoe, Angst, Zyanose
  • Erstversorgung: Ruhe bewahren, sitzende Position, bronchodilatatorische Inhalation, ggf. Sauerstoffgabe, Notruf bei schwerer Attacke

4. Traumatische Notfälle

Blutungen

  • Externe Blutungen: Kompression, Druckverband, Hochlagerung
  • Interne Blutungen: Schockzeichen erkennen, Notruf, Lagerung flach, Vitalzeichen überwachen

Knochenbrüche und Luxationen

  • Erstversorgung: Ruhigstellen mit Schiene, Schmerzreduktion, ggf. Kühlung, Notruf bei offenen Frakturen

Verbrennungen

  • Erstversorgung: Sofort kühlen mit Wasser (10–15 Minuten), sterile Abdeckung, kein Eis, keine Hausmittel, Schmerzmanagement, Notruf bei großflächigen Verbrennungen

5. Neurologische Notfälle

Bewusstlosigkeit

  • Lagerung: Stabile Seitenlage, Atemwege freihalten, Überwachung, Notruf

Krampfanfälle (Epileptischer Anfall)

  • Erstversorgung: Verletzungsprävention, Kopf schützen, keine Gegenstände in den Mund, Notruf bei Dauer >5 Minuten oder Erstmanifestation

Hypoglykämie

  • Symptome: Zittern, Schwitzen, Unruhe, Bewusstseinsstörung
  • Erstversorgung: Zuckerhaltige Getränke oder Glukose-Gel, stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit


7. Praktische Prävention

  1. Regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse besuchen – Wiederholung alle 2–3 Jahre empfohlen.
  2. Notfallausrüstung: Verbandskasten, Defibrillator, Allergiemedikamente, Gummihandschuhe.
  3. Notfallszenarien trainieren: Patientenlagerung, Vitalzeichenkontrolle, Fallbeispiele.
  4. Ruhig bleiben: Stresskontrolle ist entscheidend für die korrekte Durchführung aller Maßnahmen.

8. Wie lagere ich?

NotfallLagerungAussehen/SymptomePhysiologischer Grund/Zweck
Schock (hypovolämisch, septisch, anaphylaktisch)Schocklage: flach, Beine 30–50° hochBlass, kaltschweißig, tachykard, schwachVerbesserung der venösen Rückführung zum Herzen, Stabilisierung Blutdruck
AnaphylaxieSchocklage, Kopf leicht erhöht, Beine hochHautrötung, Urtikaria, Ödeme, Atemnot, Angst, TachykardieVenöse Rückführung, erleichtert Atmung, verhindert Hypotonie
Herzinsuffizienz/ akutes LungenödemOberkörper hoch (Sitzende Position)Atemnot, Zyanose, feuchte Rasselgeräusche, AngstLungenentlastung, erleichtert die Atmung, reduziert pulmonalen Druck
Synkope/OhnmachtRückenlage, Beine hochBlässe, Schweiß, kurzzeitig bewusstlosVenöse Rückführung, Gehirndurchblutung sichern
Asthma/akuter BronchospasmusOberkörper hoch, sitzendDyspnoe, Giemen, Angst, TachypnoeErleichtert Atembewegung, verbessert Lungenbelüftung
Bewusstlosigkeit ohne AtemstörungStabile Seitenlagebewusstlos, Atmung vorhandenVerhindert Aspiration von Erbrochenem/ Sekret
Bewusstlosigkeit mit AtemstörungRückenlage + Notfallmaßnahmen (Beatmung, ggf. CPR)bewusstlos, AtemstillstandNotfall-Lagerung zur Reanimation
Schädel-Hirn-Trauma/
Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung
Rückenlage, Kopf in Neutralstellung, ggf. ImmobilisationSchmerzen, Bewusstseinsstörung, neurologische AusfälleVermeidung weiterer Rückenmarksschäden
Abdominale Notfälle/
Bauchschmerzen unklarer Ursache
Beine angewinkelt (Schmerzlage)Schmerzen, evtl. Übelkeit, Blässe, SchwitzenEntlastung Bauchmuskulatur, Reduktion intraabdominaler Spannung
Kreislaufstillstand/
Reanimation
Rückenlage auf harter Flächebewusstlos, keine Atmung, kein PulsOptimale Thoraxkompression, freie Atemwege

Fazit

Notfälle fordern schnelles Denken, strukturiertes Vorgehen und konsequentes Handeln. Wer regelmäßig übt, Kurse belegt und Abläufe verinnerlicht, kann souverän und effizient reagieren – im Ernstfall kann das Leben retten.