Kinderkrankheiten bergen, aufgrund der schwachen kindlichen Immunsysteme, verhältnismäßig große Risiken – und obwohl Impfungen viele Infektionen deutlich seltener gemacht haben, treten diese Erkrankungen noch immer auf. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihren Symptomen, sondern auch in Erregerart, Inkubationszeit und Komplikationen. Wer die typischen Anzeichen kennt, kann schneller reagieren und die Gesundheit seines Kindes besser schützen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Informationen zu den wichtigsten Kinderkrankheiten zusammen und gibt Tipps für den Umgang mit ihnen.
Masern werden durch ein Virus (Paramyxovirus->Masern-Virus) per Tröpfcheninfektion übertragen, die Inkubationszeit beträgt etwa 7–14 Tage. Typisch ist zunächst, im Prodromalstadium, Fieber mit Husten, Schnupfen und Bindehautentzündung (3-5 Tage). Hierfür wird der Ausdruck „verheult, verrotzt, verschwollen“ sinnbildlich genutzt. Pathognomonisch für Masern sind die Koplik-Flecken – kleine weiße Punkte auf der Mundschleimhaut. Treten diese auf, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Masern-Infektion. Es folgt ein ein- bis zwei-tägiges fieberfreies Intervall. Anschließend folgt das Exanthemstadium. Das Exathem beginnt meist hinter den Ohren, wandert dann großfleckig, ist dunkelrot und makulapapös (flach und erhaben). Nach diesem ca. drei Tage andauerndem Stadium folgt im Normalfall die Rekonvaleszenz. Dabei kommt es zu einer vermehrten Schuppung der Haut. Typische Komplikationen, gemerkt mit OPPE (Otitis media, bakt. Pneumonie, Pseudokrupp, Postinfektiöse Enzephalitis), können das Krankheitsbild deutlich verschlimmern.
Mumps wird ebenfalls viral per Tröpfcheninfektion übertragen (Paramyxovirus->Mumps-Virus), die Inkubationszeit beträgt ca. 16–18 Tage, manchmal auch etwas länger. Es kommt zu klassischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und die charakteristische nicht-eitrige Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Pathognomonisch für Mumps ist diese typische Drüsenschwellung, da das Virus die Schleimhäute des Nasen/Rachenraum befällt. Komplikationen wie Orchitis oder Pankreatitis kommen hier zu den OPPE-Koplikationen hinzu, da auch hier Drüsen befallen werden können.
Röteln entstehen (primär durch Tröpfcheninfektion) durch das Rubellavirus, Inkubationszeit etwa 14–21 Tage. Meist sind die Symptome mild: leichtes Fieber, dann Lymphknotenschwellung und dann ein feinfleckiger Ausschlag. Pathognomonisch ist eben dieser Ausschlag, der sich meist vom Gesicht zum Rumpf ausbreitet. Kritisch ist die diaplazentare Übertragung. Hierbei entwickelt sich eine Rötelnembryofetopathie, das sog. Gregg-Syndrom. Dabei können je nach Entwicklungsstand die verschiedensten Systeme befallen sein. Zudem kann es in seltenen Fällen nach Jahren zu einer Enzephalitis (Krämpfe, Ataxie, Kloni) kommen.
STROLCH hilft, sich die diaplazentaren Krankheiten einzuprägen: Syphilis, Toxoplasmose, Röteln, Others (Ringelröteln, Masern, Mumps), Listeriose, Cytomegalie, Coxsackie-Virus, Chlamydien, HIV, Hepatitis B, HSV.
Ebenfalls diaplazentar ist der Erreger der Windpocken, das Varizella-Zoster-Virus (Tröpfchen- oder Schmierinfektion). Die Krankheit ist hoch-ansteckend (kontagiös) und hat eine Inkubationszeit von 10–21 Tagen. Typisch sind zunächst leichtes Fieber, dann ein juckender Bläschenausschlag der sich zentripetal über den Körper ausbreitet. Hände und Füße sind dabei ausgenommen. Komplikationen wie bakterielle Superinfektionen lassen sich gut mit OPPE merken. Speziell an dieser Krankheit ist, dass der Erreger bei endogener Reaktivierung zu einer weiterern Krankheit, der Gürtelrose/Herpes Zoster führt. Dabei kommt es charakteristisch zu einem halbseitigen, dem Dermatom folgenden Exanthem, das das Virus die Nerven befällt.
Keuchhusten entsteht per Tröpfcheninfektion durch das Bakterium Bordetella pertussis, Inkubationszeit 7–10 Tage. Ein pathognomonisches Zeichen sind die Hustenanfälle mit „Whoop“, besonders bei Säuglingen gefährlich und charakteristisch für die Krankheit. Im Stadium catarrhale (1-2 Wochen) kommt es zu subfebrilen Temperaturen, seröser Rhinopharyngitis oder Konjunktivitis. Husten und später Krampfhusten entstehen. Dieser verstärkt sich weiter im Stadium convulsivum (3-6). Es kommt zu Krampfanfällen und Staccato, d.h. die Hustenanfälle werden immer schneller, mit weniger Zeit zum Luft holen. Dies löst zunehmende Dyspnoe oder Zyanose aus. Es kann zu Blutungen und Erbrechen kommen. Im Stadium decrementi (2-6 Wochen) klingen die Symptome langsam ab. Wenn ein Kind Husten über mehr als drei Wochen hat, ohne dass dieser abklingt, sollte unbedingt auch an Keuchhusten gedacht werden. Komplikationen wie Pneumonie oder Krampfanfälle gehören neben der OPPE-Merkregel zu den möglichen Folgen. Hier stehen die Otitis media und die Enzephalitis im Vordergrund.
Scharlach, ausgelöst durch Bakterium Streptococcus pyogenes (toxinbildend) per Tröpfcheninfektion oder Kontakt zu Sekreten, hat eine Inkubationszeit von 2–5 Tagen. Typisch ist ein plötzlich-stürmischer Beginn mit hohem Fieber (Schüttelfrost), Kopf- und Halsschmerzen, Dysphagie, Tonsillitis und am 2. Tag ein sehr feinfleckiger roter Ausschlag, periorale Blässe sowie die charakteristische Himbeerzunge. Nach 6 Tagen bis 6 Wochen findet sich eine grobe Schuppung (besonders an den Handtellern und Fußsohlen). Komplikationen, wie zum Beispiel rheumatisches Fieber oder Nierenentzündungen, kommen zustande, da die Toxine der Bakterien zu starken Immunantworten, ausgelöst durch Gefäßentzündungen und eine erhöhte Gefäßpermeabilität.
Diphtherie wird durch Corynebacterium diphtheriae (-> ebenfals ein Bakterium) per Tröpfchen- selten Schmierinfektion verursacht, Inkubationszeit 2–5 Tage. Eine Immunität ist nur zeitlich begrenzt. Kennzeichnend ist der graue Membranbelag im Rachen, der zu Atemnot führen kann. Im Prodomi kommt es schnell zu einem starken Krankheitsgefühl. Des weiteren kann es zu vier verschiedenen Lokalinfektionen kommen: Nasendiphterie, Rachendiphterie, Krupp (Larynx) oder progrediente Diphterie. Die Bildung von Pseudomembranen, Lymphknotenschwellungen, fad-süßlicher Mundgeruch, mäßiges Fieber oder Tachykardie können die Folge sein. Zudem kann nach 4-5 Tagen eine systemische Intoxikation auftreten. Dabei werden die Bakterientoxine ins Blut abgegeben und befallen Herz, Nieren, Nerven und Gefäße. Entsprechend können Herzversagen, Nephritis, Gefäßschäden oder Polyneuritis die Folgen sein. Das Toxin verhindert die Proteinsynthese, wodurch die Zellen absterben. Unbehandelt führt das bei Kindern oft zu einer Atemlähmung und Ersticken. Insofern sind eine Früherkennung und schnelle Gabe von Antibiotika und Antitoxin überlebenswichtig.
Der Rotavirus verursacht (auch) bei Kleinkindern Durchfall, Erbrechen und Fieber. Inkubationszeit etwa 1–3 Tage. Er ist hochansteckend und wird meist per Schmierinfektion fäkal-oral übertragen. Pathognomonisch ist der wässrige Durchfall, der schnell zu Dehydration führen kann. Komplikationen sind Elektrolytentgleisungen mit Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle (seltener Enzephalitis) sowie Darminvaginationen. Im Vordergrund steht hier aber klar der extreme Flüssigkeitsverlust, der oft einen Krankenhausaufenthalt mit intravenöser Flüssigkeitszufuhr unumgänglich macht.
Poliomyelitis, oft kurz „Polio“ genannt, wird durch das Poliovirus verursacht, ein Enterovirus, das vor allem den Darm befällt und sich über fäkal-orale Wege oder seltener über Tröpfcheninfektion verbreitet. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 6 bis 20 Tage, wobei die Infektion häufig asymptomatisch verläuft. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie leichtem Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen. Das pathognomonische Symptom der Poliomyelitis ist jedoch die schlaffe Lähmung, meist einseitig und bevorzugt an den unteren Extremitäten. Es kommt zur Entzündung oder Zerstörung der motorischen grauen Substanz, was die Lähmungen bedingt. Schwere Verläufe können die Atmung betreffen (Medulla), was zu Atemnot oder sogar respiratorischem Versagen führen kann. Typische Komplikationen umfassen bleibende Lähmungen und Muskelschwund. Poliomyelitis gilt als hoch ansteckend, weshalb konsequente Impfung der wirksamste Schutz ist. Dank dieser ist Polio zu 99,9% ausgerottet. Es gibt jedoch in einigen Ländern nach wie vor Fälle des Typ 1.
Das Dreitagefieber (Exanthema subitum, Roseola infantum) wird überwiegend durch humane Herpesviren (HHV-6, seltener HHV-7) verursacht. Die Inkubationszeit liegt meist zwischen 5 und 15 Tagen. Die Ansteckung erfolgt vor allem über Tröpfcheninfektion und Speichelkontakt, häufig im engen familiären Umfeld oder in Betreuungseinrichtungen. Das Virus hat eine hohe Prävalenz und ist oft symptomlos. Charakteristisch ist ein plötzlich einsetzendes, hohes Fieber über zwei bis drei Tage, wobei die Kinder trotz der hohen Temperatur oft relativ wenig beeinträchtigt wirken. Das pathognomonische Zeichen ist der typische Hautausschlag, der erst nach dem raschen Abfall des Fiebers auftritt: ein feinfleckiges, rosafarbenes Exanthem, vor allem am Rumpf und Nacken (ähnlich zu Röteln). Zu den möglichen Komplikationen zählen fieberbedingte Krampfanfälle, die vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten können und für Eltern sehr beunruhigend sind, in der Regel jedoch folgenlos ausheilen. Insgesamt verläuft das Dreitagefieber meist gutartig und selbstlimitierend, mit lebenslanger Immunität nach durchgemachter Infektion.
Ringelröteln (Erythema infectiosum) werden durch das Parvovirus B19 verursacht. Die Inkubationszeit liegt typischerweise bei etwa 4 bis 14 Tagen, kann aber bis zu 21 Tage betragen. Ringelröteln sind nicht mit Röteln zu verwechseln – es handelt sich um einen anderen Erreger und eine andere Krankheit. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, enger Kontakt), seltener auch über Blutkontakte oder diaplazentar von der Mutter auf das ungeborene Kind. Bei Kindern verläuft die Erkrankung meist mild mit leichten Erkältungssymptomen wie Schnupfen, leichtem Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Das pathognomonische Symptom ist das charakteristische, schmetterlingsförmige „Ohrfeigenexanthem“ im Gesicht, gefolgt von einem mittelgroßen girlandenförmigen Hautausschlag an Armen und Rumpf. Typische Komplikationen sind bei gesunden Kindern selten, können aber bei Erwachsenen zu ausgeprägten Gelenkschmerzen führen. Besonders relevant sind Ringelröteln in der Schwangerschaft: Eine Infektion kann in seltenen Fällen beim ungeborenen Kind zu schwerer Blutarmut (fetale Anämie) oder Hydrops fetalis führen. Daher ist bei Kontakt von Schwangeren mit erkrankten Kindern besondere Vorsicht geboten.
So gehen Sie mit Kinderkrankheiten um
Kinderkrankheiten sind für Eltern oft herausfordernd, aber mit Wissen und Vorbereitung gut zu meistern. Zunächst gilt: Ruhe bewahren. Viele Infektionen verlaufen mild und lassen sich mit einfachen Maßnahmen lindern: ausreichend Flüssigkeit, fiebersenkende Mittel bei Bedarf und liebevolle Betreuung.
Symptome früh erkennen: Achten Sie auf typische Anzeichen wie Ausschlag, Fieber, Husten oder geschwollene Lymphknoten. Pathognomonische Merkmale wie Koplik-Flecken bei Masern, die Himbeerzunge bei Scharlach oder charakteristische Hustenanfälle beim Keuchhusten helfen dabei, die Erkrankung einzuordnen. Bei Unsicherheiten oder schweren Symptomen sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin hinzugezogen werden.
Infektionsschutz beachten: Viele Kinderkrankheiten sind hochansteckend. Kranke Kinder sollten zu Hause bleiben, Kontakte zu anderen Kindern vermeiden und auf gründliche Händehygiene geachtet werden. Spielzeug, Flächen und Oberflächen regelmäßig desinfizieren, um die Ansteckungsgefahr zu senken.
Impfungen einhalten: Impfungen sind der beste Schutz gegen viele Kinderkrankheiten. Folgen Sie dem offiziellen Impfkalender des Robert Koch-Instituts, damit Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Diphtherie, Tetanus oder Pertussis rechtzeitig verhindert werden. Manche Krankheiten, wie Röteln, können besonders in der Schwangerschaft schwerwiegende Folgen haben – hier ist Impfprävention entscheidend.
Verlauf dokumentieren: Fieber, Ausschlag und andere Symptome in einem Tagebuch festhalten. Das erleichtert die Einschätzung des Krankheitsverlaufs und hilft Ärzten bei der Diagnose.
Gesundheitsförderung begleiten: Ausreichend Schlaf, gesunde, mikronährstoffreiche Ernährung und leichte Bewegung unterstützen das Immunsystem und fördern die Genesung.
Fazit: Kinderkrankheiten sind angsteinflößend aber nicht zwangsläufig gefährlich, wenn sie gut begleitet werden. Mit Aufmerksamkeit, richtigem Verhalten, Schutzmaßnahmen und Impfungen können Eltern die Belastung für Kind und Familie minimieren und sicherstellen, dass die kleinen Patienten schnell wieder gesund werden.




